Anna Michalewicz erfüllte sich Kindheitswunsch

Hallo Anna – vielen Dank für die Teilnahme an unserer Kampagne. Dein Interview bildet den Abschluss der Interview-Reihe. Super, dass auch Du mitmachst. Stell Dich unseren Lesern doch einmal vor.
Hallo! Mein Name ist Anna Michalewicz. Ich bin Erzieherin, 35 Jahre alt und komme gebürtig aus dem Münsterland. Ich arbeite seit vier Jahren als Gruppenleitung in der Katholischen Tageseinrichtung für Kinder (KTK) “Sternschnuppe” und wohne jetzt gut drei Jahren in Sankt Augustin.

Für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt im Einsatz

Für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt im Einsatz

Seit wann bist Du denn bei der Feuerwehr und was hat Dich zum Eintritt in den Löschzug Mülldorf bewegt?
Ich bin seit Juni 2014 bei der Freiwilligen Feuerwehr im Löschzug Mülldorf als aktives Mitglied angemeldet. Im Januar 2015 habe ich mit der Grundausbildung begonnen.
Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, Polizistin oder Feuerwehrfrau zu werden. Aber auf die Idee, in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten, bin ich nicht gekommen. Als ich die Schule beendet hatte, begann ich die Ausbildung zur Erzieherin. Danach war die Arbeit bei der Feuerwehr gar kein Thema mehr für mich. Als ich im Alter von 28 Jahren über eine Veränderung nachgedacht habe, kam mir sogar der Gedanke, doch noch Feuerwehrfrau zu werden… ich ging aber stattdessen 2 ½ Jahre nach Brasilien um dort ehrenamtlich zu arbeiten. 2011 kam ich ins Rheinland und nahm die Stelle als Erzieherin in der KTK Sternschnuppe in Mülldorf an. Zwei meiner Kolleginnen sind mit aktiven Feuerwehrmännern des Löschzugs Mülldorf verheiratet und so kam ich erstmals damit in Berührung. Mein Wunsch, in der Feuerwehr aktiv zu werden, erwachte wieder in mir… Gesagt, getan, sprach ich ganz spontan den Leiter des Löschzugs Mülldorf an und fragte, ob ich aktives Mitglied werden könnte… keine Woche später saß ich im Gerätehaus der Feuerwehr und stellte mich dem Vorstand vor. Als ich ärztlich für tauglich erklärt wurde, konnte es losgehen.

Du bist ja ganz frisch dabei und absolvierst gerade das dritte und vierte Modul der Grundausbildung? Ist die Ausbildung sehr anspruchsvoll und wie kommst Du als Quereinsteigerin damit zurecht? Welche Inhalte haben die Lehrgänge derzeit?
Ja, seit ein paar Wochen befinde ich mich im Modul 3 der Grundausbildung. Die Lehrgänge laufen immer neben der Arbeit in unserer Freizeit. Das ist natürlich sehr anstrengend, aber zu bewältigen. Es macht mir sehr viel Freude und es ist wahnsinnig spannend, so viel über die Tätigkeiten der Feuerwehr zu erfahren. Der Einstig im Modul 1 war für mich am schwierigsten, denn alles, was ich dort gelernt habe, war absolutes Neuland für mich. Ich hatte keinerlei Vorkenntnisse und deshalb kam es mir beinahe gigantisch vor. Aber die Ausbilder und auch die Kameraden in der Ausbildung waren jederzeit bereit mir zur Seite zu stehen und immer für meine Fragen offen. Mit der Zeit kam ich mir auch nicht mehr wie ein Quereinsteiger vor, denn wir alle hatten das selbe Ziel: eine bestmögliche Grundausbildung zu absolvieren, die uns auf zukünftige Einsätze vorbereiten soll. So habe ich bisher in der Grundausbildung Modul 1, Modul 2- Atemschutzlehrgang und den Funklehrgang erfolgreich abgeschlossen. Im jetzigen Modul 3 geht es ebenfalls um den Löscheinsatz. Alles Gelernte aus Modul 1 + 2 wird intensiviert. Theorie und Praxis gehen da Hand in Hand ineinander über. Von neuen theoretischen Vorgängen der Gefahren an Einsatzstellen, über das Üben von Löscheinsätzen bis hin zum taktischen Vorgehen in einem Innenangriff, ist in der Ausbildung wirklich alles enthalten. Am Ende steht die Begehung der Wärmegewöhnungsanlage (Simulation eines echten Brandes) bevor.
Je mehr man die Tätigkeiten eines Feuerwehrmannes/einer Feuerwehrfrau verinnerlicht, desto mehr geht es einem in Fleisch und Blut über.

Auch Einsätze unter Atemschutz scheut Anna nicht.

Auch Einsätze unter Atemschutz scheut Anna nicht.

Selbstverständlich fährst Du mittlerweile auch zu Einsätzen mit raus. Hast Du da schon Erfahrungen gemacht und wie war Dein erster Einsatz? Warst Du sehr aufgeregt?
Neben den Lehrgängen ist das Mitfahren auf Einsätze und die regelmäßigen Übungen des Löschzugs das A und O …learning by doing… man lernt am meisten während den Einsätzen und den Übungen. Jeder Handgriff wird nur dann verinnerlicht, wenn man ihn auch ausführt. Besonders spannend werden jetzt die Einsätze, bei denen ich schon etwas Gelerntes anwenden kann.

An meinen ersten Einsatz erinnere ich mich sehr gut (lach) : Mitten in der Nacht, so gegen 3 Uhr ging mein Melder. Ich habe beinahe einen Herzinfarkt bekommen… ich bin aus dem Bett raus und habe erst einmal überlegt, was ich anziehen soll… ich war völlig verwirrt. Als ich endlich angezogen war, rannte ich die Treppe runter, um festzustellen, dass ich den Autoschlüssel vergessen habe… Treppe wieder hoch, Treppe wieder runter, ab zum Gerätehaus… und, ja, da waren schon alle weg. (Lach) Das war also mein erster Einsatz, bei dem ich direkt mal zu spät gekommen bin. Mit einem Puls von 180 konnte ich nicht mehr einschlafen. Aber das ist völlig normal, auch da gewöhnt man sich dran. Nachts aus dem Bett zu springen und los zu düsen, auch das wird zur Routine.

Wie haben denn Freundinnen und das Umfeld reagiert, als Du ihnen gesagt hast, dass Du in der Feuerwehr aktiv werden möchtest und Dich bei der Feuerwehr angemeldet hast? Wie waren die Reaktionen?
Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich, aber doch sehr positiv. Die meisten unterstützen und befürworten das sehr. Meine Freunde freuen sich mit mir und einige bewundern mich dafür, dass ich den Mut habe, diesen Weg zu gehen. Als ich meinem Vater davon erzählte, guckte er mich zwar erst einmal mit großen Augen an, lachte dann aber und sagte: „Das ist meine Tochter“.

Es ist manchmal schon etwas witzig, wenn ich erzähle: Ich bin Erzieherin… und Feuerwehrfrau… Aber auch dann stoße ich auf positive Resonanz. Im Kindergarten ist das Thema heiß begehrt. Die Kinder düsen mittlerweile mit ihren Fahrzeugen über den Hof und rufen: „Tatüütataa… Eileinsatz, Eileinsatz“… (lach) . Wenn mein Melder geht, ich aber nicht los renne, sind die Kinder beinahe enttäuscht, weil ich nicht zum Löschen fahren kann. Ansonsten kann ich auch so im Kindergartenalltag Feuerwehr zum Thema werden lassen, denn die frühkindliche (Brandschutz-)Erziehung ist sehr wichtig. Wenn ich den Kindern die Gefahren von Feuer näher bringe, bekommen sie den nötigen Respekt davor. So kann ich die Begeisterung der Kinder dazu nutzen, ihnen etwas Wichtiges beizubringen.

Wenn´s mal schnell gehen muss...

Wenn´s mal schnell gehen muss…

Hast Du in Deiner bisherigen Zeit bei der Feuerwehr mal Widerstände gegen eine Mitgliedschaft von Frauen in der Feuerwehr gespürt oder gehen da alle sehr offen mit um?
Nein, ich habe nie einen Widerstand gespürt, weder in meinem Löschzug, noch in den Lehrgängen. Im Gegenteil, ich bin sehr herzlich aufgenommen worden. Ich fühle mich super wohl.