Carina Schmidt (geb. Hassels) – Feuerwehrfrau aus Niederpleis

Hallo Carina, vielen Dank, dass Du uns für ein kleines Interview zur Verfügung stehst. Stell Dich doch bitte einfach kurz unseren Lesern vor.
Hallo liebe Leser, ich bin Carina Schmidt, 33 Jahre alt und Feuerwehrfrau in der freiwilligen Feuerwehr Sankt Augustin Löschgruppe Niederpleis. Ich bin gelernte Bankkauffrau und arbeite im normalen Alltag bei der Kreissparkasse Köln im Controlling. Neben meiner Arbeit bei der Feuerwehr bestehen meine Hobbies aus meiner Familie, lesen und meinen beiden kleinen Katern.

Wann bist Du denn in die Feuerwehr eingetreten und warum hast Du Dich seiner Zeit für dieses doch ungewöhnliche Ehrenamt entschieden?
Ich bin 1998 in die Jugendfeuerwehr der Löschgruppe Niederpleis eingetreten und Anfang 1999 dann in die Aktive Wehr eingetreten und auf den Grundlehrgang (TM1) gegangen.

Zur Feuerwehr bin ich durch Bekannte gekommen. Durch Freundschaften in ortsansässigen Vereinen habe ich Kameraden der Löschgruppe Niederpleis kennen gelernt. Nachdem ich mich in Gesprächen mit der Arbeit der Feuerwehr vertraut gemacht habe, war die Entscheidung sich das Ganze mal anzusehen der entscheidende Schritt. Die gemeinsame Arbeit, die Kameradschaft und etwas für die Allgemeinheit zu tun, haben mich dann bei der Feuerwehr gehalten.

FW-Carina Test2

Gab oder gibt es in der Löschgruppe Niederpleis in der Du aktiv bist Vorbehalte gegen Frauen in der Feuerwehr oder gar Widerstände? Wie war Deine Aufnahme in die Feuerwehr? Fühlst Du Dich nach wie vor wohl?
Zu Beginn meiner Zeit in der Aktiven Wehr gab es einige Vorbehalte. Ich war zu dem Zeitpunkt die einzige Frau in der Löschgruppe und musste mir schon manchmal anhören, dass Frauen in der Feuerwehr nichts zu suchen haben. Allerdings waren diese Stimmen die Ausnahme. Diese Vorbehalte waren auch nie mit persönlichen Aversionen verbunden, sondern aus „alter Tradition“ entstanden. Nachdem ich einige Zeit dabei war, sind diese Stimmen aber nach und nach verstummt.

Ich habe mich sehr schnell gut aufgenommen gefühlt. Gerade bei den ersten Einsätzen und Lehrgängen musste ich nie nach Unterstützung suchen. Die Kameraden haben mich und die anderen „Neulinge“ unter ihre Fittiche genommen und uns so den Einstieg erleichtert. Heute sind gerade bei uns in Sankt Augustin Frauen in der Feuerwehr eine Selbstverständlichkeit. Wir arbeiten gleichberechtigt mit den männlichen Kameraden bei Einsätzen und Übungsdiensten.

Ich finde es schön, dass ich nicht mehr die einzige Feuerwehrfrau in der Löschgruppe bin und fühle mich immer noch sehr wohl.


Bei Übungen und Einsätzen muss man ordentlich zupacken und man wird auch mal dreckig. Empfindlich in der Hinsicht darf man nicht sein, oder?
Man sollte definitiv bereit sein sich dreckig zu machen. Weder Schmutz, noch ein abgebrochener Fingernagel dürfen einen stören. In nahezu jedem Einsatz wird man mit Ruß, Staub, Erde, Öl oder ähnlichem konfrontiert. Durch die persönliche Schutzausrüstung ist man vor dem schlimmsten geschützt, aber dennoch bekommt man immer wieder schmutzige Finger.

Natürlich muss man auch bereit sein anzupacken. Das heißt nicht, dass man über seine körperlichen Möglichkeiten hinaus wachsen muss, aber den schweren Schaumkanister muss auch die Feuerfrau schleppen. Natürlich gibt es Kameraden die mehr Gewicht tragen können als ich, aber es gibt auch Kameraden die kleiner sind als ich oder ähnlich stark wie ich. Jeder Kamerad – egal ob männlich oder weiblich – leistet das, was er körperlich kann.

Die Sankt Augustinerin Carina Hassels ist 1998 in die Feuerwehr eingetreten.

Die Sankt Augustinerin Carina Hassels ist 1998 in die Feuerwehr eingetreten.

 

Gibt es in der Freiwilligen Feuerwehr auch die Möglichkeit für Frauen „Karriere“ zu machen und weiterführende Lehrgänge zu besuchen? Welche Erfahrungen hast Du gemacht?
Frauen haben bei der freiwilligen Feuerwehr die gleichen Möglichkeiten wie Männer. Sie können die gleichen Lehrgänge besuchen und demnach die gleiche „Karriere“ machen wie die männlichen Kameraden.

In Sankt Augustin wird bei der Lehrgangszuteilung keine Unterscheidung zwischen Männern und Frauen gemacht. Ich selber habe zu Beginn meiner Feuerwehrzeit sehr viele Lehrgänge besucht und wurde so schon früh zur Unterbrandmeisterin befördert. So habe ich auch im Jahr 2009 in meiner Funktion als stellvertretende Jugendwartin meinen LKW-Führerschein über die Feuerwehr gemacht.

Auch einen LKW-Führerschein hat Carina Hassels bei der Sankt Augustiner Feuerwehr gemacht.

Auch einen LKW-Führerschein hat Carina Hassels bei der Sankt Augustiner Feuerwehr gemacht.

Viele Frauen interessieren sich vielleicht für einen Dienst in der Feuerwehr. Was würdest Du ihnen raten, was Sie machen sollen, um die Arbeit in der Feuerwehr kennen zu lernen? Welche Tipps kannst Du Frauen in der Feuerwehr für den Alltag geben?
Der erste und wichtigste Schritt um die Arbeit der Feuerwehr kennen zu lernen ist: hingehen und ansehen. Sprecht jemanden an, der in der Feuerwehr ist oder schaut auf der Internet-Seite nach den Kontaktdaten oder Übungsterminen. Auch der Tag der offenen Tür ist immer eine gute Gelegenheit die Kameraden kennen zu lernen und Fragen zu stellen. Wenn ihr ein paar Mal bei den Übungen gesehen habt, was die Arbeit bei der Feuerwehr bedeutet, könnt ihr entscheiden, ob euch diese Arbeit liegt. So habt ihr auch die Möglichkeit das Miteinander zu erleben und erste Kontakte zu knüpfen.

Habt keine Scheu. Auch Feuerwehrleute sind ganz normale Menschen. Habt keine Angst vor den körperlichen Herausforderungen. Jeder der gesund und in ordentlicher körperlicher Verfassung ist, ist den Anforderungen gewachsen.

Wir freuen uns über jede Unterstützung und jede neue Kameradin.

Liebe Carina, herzlichen Dank für Deine Offenheit. Wir hoffen, wir konnten damit ein paar Barrieren abbauen und einige Frauen für die Arbeit in der Feuerwehr interessieren.

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