Mit Leidenschaft dabei – Jaqueline Heinig aus Mülldorf

Hallo Jaqueline – Du bist die dritte Feuerwehrfrau, die wir heute nach ihren Erfahrungen und Einschätzungen fragen möchten. Vielen Dank, dass Du unseren Lesern hier zur Verfügung stehst. Stell Dich doch auch kurz den Lesern vor:
Hallo liebe Leser, vor allem die Frauen, ich heiße Jaqueline Heinig, bin 25 Jahre alt und aktives Mitglied der Feuerwehr der Stadt Sankt Augustin im Löschzug Mülldorf. Ich arbeite als kaufmännische Sachbearbeiterin in der Buchhaltung bei der internationalen Spedition Franz Wirtz GmbH in Bornheim. Auch hier lässt sich mein “Hobby“ mit dem zusätzlichem Part als Brandschutzhelfer verbinden. Mein Arbeitgeber hat vollstes Verständnis für mein soziales Engagement und stellt mich, nach eigenem Ermessen, für Einsätze frei. In meiner Freizeit unternehme ich viel mit meinen Freunden und der Familie, mache Ausflüge oder verbringe meine Zeit in geselligen Runden.

Jaqueline engagiert sich im Löschzug Mülldorf

Fangen wir gleich mit der Schlüsselfrage an: Warum glaubst Du, dass sich bisher so wenig Frauen für die aktive Mitarbeit in der Freiwilligen Feuerwehr interessieren?
Die Feuerwehr ist weit verbreitet noch als Männerdomäne bekannt und ich glaube, dass viele Frauen nicht wissen, dass eine Mitgliedschaft überhaupt möglich ist, beziehungsweise bisher als Außenstehende nicht in Betracht gezogen wurde. Für viele Frauen ist eventuell die körperliche Arbeit auch ein Hindernis, den Schritt in die Feuerwehr zu wagen. Wenn Interesse besteht, gibt es aber auch die Möglichkeit einfach mal bei unseren Übungsdiensten reinzuschnuppern.

Warum sind aus Deiner Sicht gerade Frauen ein wichtiger Bestandteil der Freiwilligen Feuerwehr?
Wir Feuerwehrfrauen sind ein genauso ein starker Bestandteil in der Truppe, wo jede helfende Hand benötigt wird. Jeder findet im Einsatzfall, nach entsprechender Ausbildung, seinen Platz beziehungsweise sein Aufgabengebiet. Denn jeder hat “etwas“ das er gut kann, worauf der Schwerpunkt gelegt werden kann. Ich als Frau muss auch immer wieder feststellen, dass gerade wir für die Männer wichtig sind, denn gerade bei neuen Mitgliedern kommen diese gerne erst auf mich zu, als Anlaufpunkt.

Es gibt viele Möglichkeiten sich ehrenamtlich zu engagieren – warum ist es bei Dir die Feuerwehr und wie kam es zu Deinem Entschluss, in die Feuerwehr einzutreten?
Mein Entschluss für die Feuerwehr habe ich vor fast 16 Jahren getroffen, um ehrlich zu sein, konnte ich es damals nicht erwarten zehn Jahre alt zu werden, um endlich in die Jugendfeuerwehr zu kommen. Ursprünglich kam ich durch meinen Vater erst auf die Idee „Feuerwehr“. Er nahm mich als Kind oft mit zu Treffen am Gerätehaus und ich weiß heute noch, dass es mir immer viel Spaß gemacht hat. Ich hatte eine sehr schöne und aufregende Zeit in der Jugendfeuerwehr und es war keine Frage mit 18 Jahren dann endlich in die aktive Wehr über zu gehen. Einige Jahre und etliche Lehrgänge später habe ich das Interesse und den Einsatzwillen in der Feuerwehr nicht verloren, sondern eher meinen Platz im Löschzug Mülldorf gefunden. Im Oktober 2014 bin ich als Jugendhelfer mit in die Jugendfeuerwehr eingestiegen, die Kinder kommen super mit mir und ich mit ihnen klar. Im Juni 2015 wurde ich zur stellvertretenden Jugendwartin ernannt und zur Hauptfeuerwehrfrau befördert. Dies ist ein gutes Beispiel, dass jeder seinen Platz in der freiwilligen Feuerwehr findet, da es sehr viele und facettenreiche Aufgabengebiete gibt. Ich bereue es mit keinem Tag in die Feuerwehr eingetreten zu sein.

Wasser marsch!

Wie findest Du das „Vereinsleben“ in der Feuerwehr, die Kameradschaft? Werden Frauen in der Feuerwehr gut aufgenommen und fühlst Du Dich in den Reihen Deiner Kameradinnen und Kameraden wohl?
Jeder einzelne wird bei uns gut aufgenommen und in die bestehende Gruppe integriert. Die Kameradschaft ist das A und O jeder Einheit, denn wir müssen uns im Ernstfall blind aufeinander verlassen können. Im Prinzip wird eine Frau genauso wie ein Mann aufgenommen, jedoch kommt ab und an mal der Spruch: „Frauen haben in der Feuerwehr nichts zu suchen“. Zu mir wurde das schon lange nicht mehr gesagt, denn jeder weiß wie ich arbeite. Als Frau musst du dich erstmal beweisen, denn wir brauchen keine Püppchen, die zum nett aussehen in der Feuerwehr sind, sondern gestandene Frauen die keine Angst vor Arbeit und sozialem Engagement haben.

Frauen an Herd?! Brandherd!

>> Zurück zur Auswahl