Kasia Kratz – Als Quereinsteigerin zur Löschgruppe Meindorf

Hallo Kasia! Schön, dass auch Du Dich gemeldet hast, um einen Einblick in Dein Feuerwehrleben zu geben und uns ein paar Fragen zu beantworten. Stell Dich doch kurz unseren Lesern vor:
Hallo, ich heiße Katarzyna Zofia (abgekürzt Kasia) Kratz, bin 40 Jahre alt und seit 2011 aktives Mitglied der Löschgruppe Meindorf. Ich bin glücklich verheiratet und hab zwei Söhne (14 und 11 Jahre). In meiner Freizeit treffe ich mich gerne mit Freunden und fahre Motorrad. Als gelernte Bürokauffrau arbeite ich in der Buchhaltung bei der Firma Capital Future AG in Bonn. Mein Arbeitgeber schätzt und unterstützt mein soziales Engagement und stellt mich für die Einsätze, nach eigenem Ermessen, frei.

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Kasia ist auch für die Technische Hilfeleistung ausgebildet

Während der Kampagne wurden wir oft gefragt: Was ist eigentlich mit Müttern? Können die auch bei der Feuerwehr mitmachen? Du bist verheiratet und hast eine eigene Familie: Wie lässt sich das organisieren, dass man an Übungen und Einsätzen teilnehmen kann?
Selbstverständlich können Müttern mitmachen. Die Übungen / Dienste finden 1 x in der Woche statt und die meisten Einsätze am Nachmittag oder in der Nacht. Die Unterstützung aus der Familie spielt dabei eine große Rolle. Ohne diese ist die Arbeit bei der Feuerwehr nicht möglich. Der Mann, Oma oder Opa müssen schon mal einspringen und auf die Kinder aufpassen. Mit der richtigen Organisation des Alltags ist alles zu bewältigen.
Da die Arbeit bei der Feuerwehr riesen Spaß macht, betrachte ich diese als mein weiteres Hobby und versuche mein Tag so zu organisieren, dass niemand zu kurz kommt.

Was meinst Du, welche besonderen Fähigkeiten bringen gerade Frauen in die Feuerwehr ein?
Ruhe und „kühler“ Kopf wenn es brennt. Frauen können gut auf einen einreden und beruhigen. Diese Eigenschaft ist wichtig bei Einsätzen mit Verletzten. Hier müssen die Einsatzkräfte einen „kühlen“ Kopf bewahren, Ruhe und Kompetenz ausstrahlen und sich auf ihren Job konzentrieren. Organisationstalent: Dies ist nicht nur zu Hause gefordert, sondern auch von Nutzen bei der Feuerwehr. Die Sichtweise: Frauen betrachten viele Sachen aus einem anderen Blickwinkel. Bei der Einsatzvorbesprechung und Planung der Feuerwehrfesten werden dadurch Sachen angesprochen, die zum reibungslosem Verlauf und Gelingen beitragen.

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Gibt es in der Freiwilligen Feuerwehr auch die Möglichkeit für Frauen „Karriere“ zu machen und weiterführende Lehrgänge zu besuchen? Welche Erfahrungen hast Du gemacht?
Ob Mann oder Frau, jeder hat gleiche Möglichkeiten die Lehrgänge zu absolvieren und in der „Karriere“-Leiter der Feuerwehr nach oben zu steigen. Nimm mich als Beispiel. Ich bin in 2011 als Quereinsteigerin, ohne Vorkenntnisse, als aktives Mitglied der Löschgruppe Meindorf beigetreten. Im Frühjahr 2012 habe ich den Grundlehrgang TM1 (Modul 1 und 2) absolviert. Im August folgte der Atemschutzgeräteträger-Lehrgang und im Herbst die Module 3 und 4 des Grundausbildungslehrgangs TM1. 2013 habe ich mit Erfolg am Motorsägenlehrgang und am Funkerlehrgang teilgenommen. Im Frühjahr 2014 folgte die Ausbildung in der Technischen Hilfeleistung (TH) und im Herbst der Unterbrandmeister-Lehrgang (F2), den ich mit Erfolg abgeschlossen habe. Und damit es nicht heißt, dass manche Sachen nur den männlichen Kameraden vorbehalten sind, habe ich zwischendurch den LKW Führerschein gemacht und darf als Feuerwehrfrau das „TaTüTaTa“-Fahrzeug bei den Einsatz- und Übungsfahrten fahren.

Wie findest Du das „Vereinsleben“ in der Feuerwehr, die Kameradschaft? Werden Frauen in der Feuerwehr gut aufgenommen und fühlst Du Dich in den Reihen der Löschgruppe Meindorf wohl?

Das Vereinsleben in Meindorf ist super. Ab dem ersten Tag wurde ich herzlich aufgenommen. Habe nie doofe Sprüche wie „Frauen gehören an den Herd“ oder so gehört. Ganz im Gegenteil, nur positive Reaktionen. In der Löschgruppe Meindorf sind wir mit 4 Frauen in der aktiven Wehr schon ganz gut vertreten. Jede von uns hat ihren Platz in der Löschgruppe gefunden und die Kameraden wissen, dass sie sich auf uns verlassen können.

Liebe Kasia – vielen Dank für die vielen Informationen und weiterhin viel Spaß in der Feuerwehr.

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